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Editorial 11.2007

Wo bleibt das Business?

.NET und Business sind zwei Themen, die viele Entwickler spontan eher zum Weghören animieren. Oft folgt ein mehr oder weniger langatmiger Vortrag, in dem Begriffe wie „Business Value“, „Return of Investment“, „Leverage“, „Paradigm Shift“ und andere „Buzzwords“ vorkommen. Was dabei leicht übersehen wird: Ohne dieses „Business“ gibt es keine Software-Entwicklung, sofern man sich nicht der Open Source-Entwicklung verschreiben möchte. Ganz so schnell sollte man das Thema Business daher nicht abtun.

Entwickler übersehen manchmal, dass Microsoft das .NET Framework nicht aus reiner Nächstenliebe kostenlos abgibt, sondern dahinter ein Geschäftsmodell und der Wunsch nach Profiten steckt (auch wenn es diese im Moment allenfalls virtuell geben dürfte. Immerhin werden nach diesem Geschäftsmodell EU-Vertragsstrafen erfolgreich vermieden). Die mittelfristige Strategie ist es, eine Plattform für Unternehmensanwendungen zu etablieren, bei der Microsoft an den Lizenzen für die diversen Server-Produkte und die vielen Partner durch Dienstleistungen verdienen. Es ist ein wenig erstaunlich, dass dieses Geschäftsmodell auch knapp sechs Jahre nach der Einführung des .NET Framework bislang nur in Ansätzen erkennbar ist, was weniger an der Technik liegt, sondern eher daran, dass sich in diesem hochprofitablen Bereich die Marktanteile nur langsam verschieben und etablierte Anbieter wie SAP oder Oracle ihr Terrain gut gesichert haben.

Ein weiterer Grund könnte sein, dass Microsoft, die das „Techno-Marketing“ eigentlich perfekt beherrschen sollten, bei der Namensgebung nicht immer ein glückliches Händchen bewiesen haben. Der BizTalk Server hätte besser „Enterprise Integration Server“ heißen sollen, die Windows Workflow Foundation vielleicht „Business Workflow Services“ und beim Begriff „WCF LOB Adapter SDK“ dürften selbst erfahrene Entwickler nicht darauf kommen, dass es sich um ein wichtiges Verbindungsstück zwischen einem BizTalk Server und den Diensten der Windows Communication Foundation handelt, mit dem sich sog. Line of Business Application (LOB)-Adapter entwickeln lassen. Dabei handelt es sich nicht um irgendwelche „esoterische“ Add-ons, sondern um „die“ Technik, mit der sich Daten in Unternehmensanwendungen wie SAP, Siebel oder Oracle, die bei Microsoft unter dem Sammelbegriff „Line Of Business Applications“ zusammengefasst werden (eine typische LOB wäre eine Anwendung, mit der in einem Unternehmen Personal- oder Lohndaten verwaltet werden) mit einem BizTalk Server integrieren lassen.

Dass kleine Namensänderungen Wunder bewirken können, hofft man in Redmond erneut beim Thema Office-Integration mit Unternehmensanwendungen. Der mit Office 2007 eingeführte Begriff Office Business Application (OBA) soll ein wenig mehr Klarheit schaffen und gleichzeitig ein Wegweiser für Entwickler sein, die sich immer noch nicht ganz sicher sind, mit welcher der zahlreichen zur Auswahl stehenden Techniken sie ihre Unternehmensdaten in eine Office-Anwendung holen sollen.

OBAs sind lediglich ein neuer Name für einen bereits vorhandenen Anwendungstyp. Sie basieren auf Managed Code, werden mit den VSTO erstellt und sorgen dafür, dass sich z.B. in Outlook die Stundensätze für ein auf SAP basierendes Abrechnungssystem komfortabel erfassen lassen. Gleichzeitig markieren sie, auch wenn das nicht offiziell angekündigt wurde, das endgültige Ende des Business Information Framework (IBF), wenngleich dieser Anwendungstyp aufgrund seiner im Vergleich zu VSTO leichten Auslieferbarkeit (auf dem Client läuft die IBF-Engine, die Metadaten der Anwendung müssen lediglich auf den Client kopiert werden) auch seine Vorteile besaß (dank ClickOnce soll dieses Problem bei den kommenden VSTO 2008 der Vergangenheit angehören).

Diese Ausgabe des dot.net magazin, in der unter anderem die kommende Version R2 des BizTalk Server und das SAP-Gemeinsschaftsprojekt Duet vorgestellt werden, soll ein wenig mehr Klarheit schaffen bei der Frage, wie es bei Microsoft in der Welt der LOBs und OBAs zur Zeit aussieht Und damit auch jene Entwickler, die mit dem Thema BizTalk Server bislang nicht allzu viel anfangen konnten, ein wenig besser verstehen können, um was es sich bei diesem „unbekannten Wesen“ handelt, starten wir in dieser Ausgabe eine kleine Serie. „Business Development“ einmal anders.

Viel Spaß bei der Lektüre dieser Ausgabe wünscht Ihnen

Ihr Peter Monadjemi



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