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In Zukunft alles live?
![]() Dass Verpassen von Trends hat bei Microsoft bekanntlich eine gewisse Tradition, doch seit einiger Zeit sieht es so aus als würde man in Redmond nichts unversucht lassen, dass sich diese Fehler nicht wiederholen. Da wären zum Beispiel diese ganzen Live-Webportale, die seit November letzten Jahres wie Pilze aus dem Boden schießen. Angefangen hat es mit XBox Live, dann kamen Windows Live und Office Live dazu und nun geistert bereits ein Visual Studio Live (Codename Tuscany) durch die Szene – von dem aber offenbar noch niemand so recht weiß, was das einmal geben wird (vermutlich wird es sich lediglich um ein per Terminalserver-Client gesteuertes Visual Studio Team System handeln, das auf einem Microsoft-Server gemietet werden kann). Dies erscheint mir im Moment ähnlich verwirrend wie das beinahe zwanghafte Labeln aller Produkte mit ".NET", wie es im Herbst 2000 geschah. Doch anders als damals sind die Live-Angebote offenbar wirklich etwas Neues. Sie sind eine neue Generation von Webanwendungen, die unter dem genauso allgemeinen wie nichts sagenden Sammelbegriff "Web 2.0" zusammengefasst werden, und bei denen mir im Moment noch nicht ganz klar ist, ob daraus nicht ein "Bubble 2.0" werden könnte.
Ich würde wetten, dass die meisten Entwickler Adressen wie www.windowslive.com (oder einfach nur www.live.com) noch nie in die Adresseleiste ihres Internet Explorer eingegeben haben und daher nichts von dem ahnen, wie sich Microsoft, Google, eBay & Co die Zukunft des Webs vorstellen (das können Sie in diesem Augenblick ändern – probieren Sie z.B. einmal local.live.com). Im Moment macht das Angebot noch einen mehr als unspektakulären Eindruck (aber war das nicht damals auch der Reiz, den Google ausgeübt hat?), doch das wird sich mit Sicherheit in naher Zukunft ändern, denn geplant ist ein überaus attraktives Set von Diensten, das von VoiceMail-Mailboxen bis Preisfindern á la Froogle reichen soll. Dass Windows Live ein ähnliches Schicksal erleidet wie die unsägliche Hailstorm-Plattform im Jahre 2001 halte ich für nicht sehr wahrscheinlich, da Microsoft mit Sicherheit aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben dürfte, Google & Co durch ihre ebenfalls sehr attraktiven Angebote dafür sorgen werden, dass der Realitätsbezug bei den Verantwortlichen in Redmond erhalten bleibt (Microsoft brillierte immer dann, wenn die Konkurrenz stark war) und sich das Web in den letzten fünf Jahren vom einem Spielzeug für Technikverliebte zu einem echten Kommunikationsmedium für die Massen entwickelt hat (z.B. ist ein Breitband-Anschluss heute sehr viel selbstverständlicher als noch vor einigen Jahren). Was mich eher beunruhigt ist der Umstand, wie unkritisch bestimmte Technologien bejubelt werden, die mit dem Attribut "altmodisch" noch freundlich umschrieben wären. Sollen wir in Zukunft wieder JavaScript programmieren und simple Textbausteine über das Web schicken? Wie steht es mit der Sicherheit und was ist eigentlich aus SOAP geworden, das noch nicht vor allzu langer Zeit das sprichwörtliche Ei des Kolumbus sein sollte? Und vor allem, wie passt das .NET Framework in dieses ganze Szenario? Dass Bill Gates gerne jugendlich wirken und auf Web-Konferenzen cool erscheinen möchte, ist sein gutes Recht, doch scheint mir bei "Web 2.0" vieles keine Rolle zu spielen, was noch vor Jahren ins Pflichtenheft jeder verteilten Anwendungsarchitektur gehört hat. Im Moment ist der "Live-Hype" (zu Deutsch Medienzirkus) voll im Gange, von einem ".NET Framework 3.0" ist nicht einmal gerüchteweise die Rede (anderen Gerüchten zufolge soll auch das kommende "Visual Studio Orcas" noch auf .NET 2.0 basieren, was generell keine schlechte Entscheidung wäre, aber doch gewisse Fragen über die Zukunft des .NET Framework aufwirft). Machen Sie sich daher nichts daraus, wenn Sie bislang noch keine Live-Webseite aufgerufen, kein asynchrones JavaScript mit Notepad eingetippt haben, in der Hoffnung, dass dies die nächste "Killer-App" fürs Web werden könnte, die Google das Fürchten lehrt, oder nichts über Microformats wissen (von denen selbst Bill Gates sagt "We need Microformats" – mehr dazu unter microformats.org). Dennoch werden wir Sie in der nächsten Ausgabe des dot.net magazin ausführlich über Ajax, Atlas & Co informieren – wer weiß, vielleicht ist doch etwas dran. MS-DOS hatte am Anfang auch keiner eine Change gegeben. In dieser Ausgabe des dot.net magazin geht es um ein Thema, das bodenständiger nicht sein könnte: Datenbanken. Die Neuerungen von ADO.NET 2.0 aus der Sicht eines eher kritischen Entwicklers, die SQL Server 2005 Integration Services und Tipps für die Gestaltung des Datenlayers bieten Praxis-Know-how für Ihre tägliche Arbeit. In unserer WinFX-Serie geht es um das Thema Data Binding bei der WPF und das WM-Tippspiel geht in die entscheidende letzte Runde. In der nächsten Ausgabe, die leider erst ein paar Tage nach dem WM-Start erscheinen wird, wird sich herausstellen, ob unser Entwicklerteam um Thomas Becker eine Anwendung erschaffen konnte, auf die unsere Java-Kollegen neidisch sein werden. Ich bin jedenfalls sehr gespannt. Peter Monadjemi und das Redaktionsteam des dot.net magazin |
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