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dot.net magazin - Editorial 4.2006

Aufschwung entdeckt

Kommt er nun oder kommt er nicht, der lang erwartete wirtschaftliche Aufschwung 2006? Die verfügbaren Indikatoren sprechen im Grunde eine klare Sprache. Nachdem es Anfang Januar noch nach einem leichten Aufschwung aussah und das Ifo-Institut, ebenfalls noch Anfang Januar, für 2006 immerhin 1.5 -2.0% Wachstum vorausgesagt hatte, verschwand dieser Hoffnungsschimmer anscheinend ebenso schnell wieder am Horizont wie die Harmonie beim deutschen Fußballbund. Knapp eine Woche später meldete das Magazin Stern das Ergebnis einer Umfrage, nach der nur 44% der Deutschen für 2006 an einen Aufschwung glauben und, das betrifft vor allem die Generation IT, 60% der unter 30-jährigen eher skeptisch sind. Auch Microsoft, sonst eher für optimistische Prognosen zuständig, veröffentlichte Ende Januar ein Stimmungsbarometer, nach der vor allem kleine Unternehmen ihre wirtschaftliche Lage verhalten einschätzen und vor allem keine Umsatzsteigerung für das erste Quartal erwarten (nachzulesen unter http://www.microsoft.com/germany/kleinunternehmen/default.mspx).

Sollte sich das Thema Aufschwung damit für dieses Jahr erledigt haben? Auch wenn es an dieser Stelle natürlich nicht um die allgemeine Wirtschaftslage gehen soll, ist es doch bemerkenswert festzustellen, dass sich die IT-Industrie, welche lange Zeit die allgemeinen Regeln der Konjunkturzyklen außer Kraft gesetzt hatte, an die allgemeine Wirtschaftslage angepasst hat. Doch es gibt Hoffnung, denn in kaum einer anderen Industrie dürfte es so einfach möglich sein, praktisch aus dem Stand eine Aufbruchstimmung zu erzeugen. Ein hervorragendes Beispiel dafür lieferte die offizielle Startveranstaltung von Microsoft für Visual Studio 2005 und SQL Server 2005, die Anfang Februar in Karlsruhe stattfand, und die mit weit über 3.000 Teilnehmern bereits Wochen im Voraus ausgebucht war. Auch wenn nicht längst jeder der Anwesenden ein professioneller Entwickler war, zeigte der Andrang eindrucksvoll wie groß das Interesse an neuen Versionen nach wie vor ist (dass jeder Teilnehmer ein VS 2005 Pro- und SQL Server 2005-Standard mit nach Hause nehmen konnte dürfte natürlich auch eine gewisse Rolle gespielt haben). Und da wäre die Meldung, dass Microsoft alleine in den nächsten drei Jahren 1 Milliarde US in den Ausbau seines Campus investieren und dabei etwa 12.000 neue Mitarbeiter einstellen will. Und das nicht in Indien, Vietnam oder Bangladesh, sondern am Stammsitz in Redmond, wo bekanntlich nicht gerade Lohndumping herrscht. Es sind natürlich nicht nur diese schlagzeilenträchtigen Meldungen, die eine (erneute) Aufbruchstimmung signalisieren. Auch im Kleinen entwickeln sich Trends, die in einigen Jahren zu einem Konjunkturmotor werden könnten. Das .NET Framework hat sich mit der aktuellen Version 2.0 endgültig etabliert und viele Entwickler sind ganz heiß darauf, es nach den endlos erscheinenden Zyklen aus Betas und Vorabversionen endlich einsetzen zu können (nicht umsonst lautete das Motto der letzten Basta!, die eine Woche nach der Microsoft-Veranstaltung stattfand, auch "Zurück an den Schreibtisch").

In dieser Ausgabe des dot.net magazin stellen wir Ihnen das neue Microsoft CRM 3.0 vor, das erste Mitglied der jüngst gestarteten Dynamics-Produktfamilie. Auch wenn der Markt der Customer Relation Management-Anwendungen genauso schwierig wie hart umkämpft ist, erscheint das Microsoft-Modell überaus viel versprechend, da es auf die breite und vor allem solide Basis der vielen Partnerfirmen setzt, die mit Verkäufen, Anpassungen und Trainings (viel) Geld verdienen. Das Schaffen einer Zuliefererindustrie hat bereits bei ActiveX funktioniert, und funktioniert im Kleinen zum Beispiel auch bei Visual Studio. Geht es Microsoft gut, geht es der Branche gut. Und legt man den (allerdings nicht verifizierten) Hebel zugrunde, nach dem ein neuer Job in der IT-Branche mehrere Arbeitsplätze in anderen Branchen schafft, könnte es vielleicht doch noch etwas werden mit dem Aufschwung 2006.

Peter Monadjemi und das Redaktionsteam des dot.net magazin







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