|
||
Unternehmerisches Risiko ![]() Wer in einer Nische lebt, die aus irgendeinem Grund nicht von Microsoft besetzt wurde, lebt gefährlich – wer in dieser Nische Erfolg hat, umso mehr. In der letzten Ausgabe hatte ich die O/R-Mapper-Sparte noch als eine veritable Nische bezeichnet, da es so aussah, als würde der Gigant aus Redmond diesen Trend „verschlafen“ und auf absehbare Zeit keine Persistenzlösung präsentieren können. Seit 14. September steht über der Zukunft dieser Branche ein großes Fragezeichen. An diesem Tag wurde auf der Entwicklerkonferenz PDC, für die meisten Kenner der Branche relativ überraschend, Language Integrated Network Query (LINQ) als Erweiterung des .NET Framework angekündigt, das auch (oder vor allem) als Persistenzlösung benutzt werden kann. Die ObjectSpaces sind damit „back“, wenn auch nicht wie ursprünglich angedacht. Während man beim ersten Mal noch eine fertige Lösung präsentierte, die bereits in der Beta-1-Phase an ihrer eigenen Komplexitiät scheiterte, will man jetzt eine Politik der kleinen Schritte verfolgen und nach jedem Schritt das Feedback der Entwickler einholen. Auch das sind neue Töne, die man sich auch in anderen Bereichen wünscht. Spätestens mit dem .NET Framework 3.0 wird aller Voraussicht nach Persistenz fest eingebaut sein. Da LINQ (alias „ADO.NET 3.0“) zurzeit in einem frühen Alpha-Stadium ist und es als generische Lösung sicher nicht an den Komfort kommerzieller O/R-Mapper heranreicht, hat diese Ankündigung vorerst keine direkten Konsequenzen. Nicht nur aus diesem Grund werden wir in dieser Ausgabe mit NHibernate eine Alternative praxisnah vorstellen und gelassen abwarten bis LINQ & Co zumindest das Beta-Stadium erreicht haben. Lesen Sie aber trotzdem unseren exklusiven PDC-Bericht, denn auf der weltweit größten Microsoft-Entwicklerkonferenz, die vom 13. bis 17. September in Los Angeles stattfand, wurde noch einiges mehr angekündigt. Und, da gute Vorsätze bekanntlich nicht lange halten, finden Sie in diesem Heft auch eine erste Vorschau auf das, was vermutlich spätestens im Herbst 2007 im Rahmen von „Visual Studio 2007“ (Codename „Orcas“) als Visual Basic 9.0 offiziell werden wird. Bevor aber mancher Leser wieder einen schwer verdaulichen „Alpha-Brei“ befürchtet, bei der eine Preview-Version von der genauen Build-Nummer einer anderen Preview abhängt (hatten wir das nicht alles gerade erst mit „Whidbey“ und „Yukon“?), die LINQ-Preview ist leichte Kost und erweitert Visual Studio lediglich um ein paar harmlose Projektvorlagen. Ein Schwerpunkt dieser Ausgabe ist Open Source. Im Grunde ein Dauerthema, zu dem es bei oberflächlicher Betrachtung nicht viel Neues zu berichten gibt. Weder wird Windows Vista Open Source sein, noch wird Microsoft das Mono-Projekt übernehmen (aber, das ist eine gute Nachricht für alle Anhänger der offenen Quelle im Dunstkreis des Microsoft-Imperiums, es wird ein Rotor 2.0 geben). Wenn man genauer hinsieht, erkennt man, dass der Open-Source-Gedanke längst auch in der Microsoft-Welt Einzug gehalten hat. Alles andere wäre auch widersinnig, dafür sind die Vorzüge quelloffener Software in bestimmten Bereichen einfach zu offensichtlich – die vielen hervorragenden Tools sind dafür ein Beleg. Und dass ein leitender Microsoft-Mitarbeiter auf einer Konferenz, bei der es um die totale Freiheit von Information geht, mit stehenden Ovationen begrüßt wird, wie dem Wiki-Erfinder Ward Cunningman auf der ersten Wikipedia-Konferenz, geschehen, ist ein weiterer Beleg dafür, dass es durchaus echte Berührungspunkte gibt.Um der zunehmenden Bedeutung von Open Source gerecht zu werden, starten wir in dieser Ausgabe eine neue regelmäßige Open-Source-Rubrik. Wenn man eines nicht unterschätzen darf, dann ist es die Fähigkeit des Softwaregiganten sich, wenn es darauf ankommt, neu zu erfinden. Die überraschende Freigabe der WinFS Beta 1, das angekündigte LINQ-Framework, die wirklich „coolen“ Designtools Acrylic, Sparkle und Quartz (schon von gehört?), mit denen Macromedia ein wenig unter Druck gesetzt werden soll, und nicht zuletzt der PDF-Konkurrent Metro, der Adobe Kopfschmerzen bereiten soll, sind dafür mehr als ein Beleg. Und wer weiß, vielleicht gelingt Microsoft nach wiederholten Anläufen auch im CRM/ERP-Bereich der große Wurf (oder die große Übernahme). Dies wird in der nächsten Ausgabe eines der Schwerpunktthemen sein. Ihr Peter Monadjemi, Chefredakteur dot.net magazin peterm@dotnet-magazin.de |
||
|