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Mut zur Lücke Wer träumt nicht davon, Microsoft mit einem Betriebssystem, einem Office-Paket, einem Browser oder einer coolen Entwicklungsumgebung Konkurrenz zu machen, mit einem rasch expandierenden Unternehmen an die Börse zu gehen und viel Geld zu verdienen? Vermutlich niemand, denn die Chancen, dass ein solches Unterfangen Erfolg haben könnte, sind im Jahre 2005 und 20 Jahre nach Gründung des Softwaregiganten aus Redmond sehr gering (und selbst das dürfte noch eine maßlose Übertreibung sein). Dabei gäbe es durchaus Bedarf für ein schlankes Windows, ein schlankes Office-Paket, einen schlanken Browser und sicher auch eine schlanke Entwicklungsumgebung – doch die Entwicklung wäre einfach zu kostspielig, würde automatisch in Konkurrenz zu zahlreichen sehr guten Open-Source-Lösungen treten und ohne Marketingmillionen und gute Patentanwälte sollte man gar nicht erst beginnen. Das heißt aber nicht, dass es für Softwareentwickler keine Möglichkeiten mehr gibt, weil ein Hersteller alles und jeden dominiert. Es kommt darauf an, die lukrativen Lücken im Portfolio des Marktführers zu finden. Jene, die er entweder übersehen hat oder aus strategischen Gründen nicht füllen kann oder will. Ein Beispiel von vielen ist das objektrelationale Datenbankwerkzeug Open Access.NET von Vanatec, das wir in dieser Ausgabe vorstellen. Es trifft auf einen Markt, der sich mit Sicherheit in den nächsten Jahren erfreulich entwickeln wird – und in dem Microsoft so schnell nichts anbieten wird. Und wenn Microsoft im Herbst mit Visual Studio Team System auf den Markt kommt und damit dem letzten, professionell arbeitenden Entwickler klar werden dürfte, dass "Life Cylce Management" keines jener Schlagworte ist, die es nur in Hochglanzprodukten oder Produktvorführungen gibt, könnte "ganz plötzlich" eine Nische für preiswerte und schlanke Alternativen entstehen. Mut zur Lücke ist damit mehr als nur eine nette Phrase. Das Ökosystem .NET Framework ist dreieinhalb Jahre nach seinem Start äußerst lebendig geworden. Dass Nischen auch jenseits der inzwischen recht ausgetretenen Pfade zu finden sind, bewiesen schon zum dritten Mal Studenten aus der ganzen Welt, die am Imagine Cup 2005 teilnahmen, der Ende Juli in Yokohama/Japan zu Ende ging. Das Team der TU Leipzig/FH Merseburg erreichte mit ihrer GPS gestützten Mobilanwendung SmartRunner für Jogger einen hervorragenden Platz 4 in der Kategorie Software Design. Wäre vor Jahren der Börsengang die logische Konsequenz gewesen, müssen die Finalisten heute vermutlich froh sein, wenn sich ein paar interessante Kontakte oder ein Praktikumsplatz bei einem bekannten Hersteller. Trotz vager Vermarktungschancen sind die Projekte aber ein sehr schönes Beispiel dafür, dass die .NET-Plattform inzwischen auch an den Universitäten akzeptiert wird. Ihr Peter Monadjemi,Chefredakteur dot.net magazin peterm@dotnet-magazin.de PS: Falls Sie uns schon immer einmal die Meinung sagen wollten, dafür bislang aber keinen passenden Rahmen gefunden hatten, unsere Leserumfrage 2006 unter www.dotnet-magazin.de/leserumfrage2006/ läuft noch bis Mitte Oktober (2005). |
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